Als ich morgens in Nürnberg aus dem Zug steige, bin ich müde und schlapp. Geschätzte 250 Kilo Gepäck lassen mich nur schwerfällig mit dem Rad vorankommen. Die ersten Kilometer auf dem "Fünf-Flüsse-Radweg" durch Nürnberg und Umgebung die Pegnitz entlang sind dennoch erstaunlich schön. Der einsetzende Regen verleiht dem Naturerlebnis seinen eigenen Reiz. Am Wegesrand sucht ein Storch den Ackerboden ab. Erst am Nachmittag kommt die Sonne durch. Abends komme ich in Kallmünz und damit dem Naabtal an. Der Campingplatz ist klasse. Zur einen Seite Blick auf die Burg, zur anderen auf das Naabufer. Zum Essen lande ich im "Bürstenbinder", was sich als Volltreffer entpuppt. Auf der Speisekarte stehen ausschließlich verschiedene Variationen von "Bauchstecherln", was immer das sei. Nach gründlichem Überlegen entscheide ich mich für Bauchstecherl und die sind wirklich lecker. Den Tisch teile ich mir zunächst mit zwei Kanuten. Nebenan ist ein Tisch für "Meine netten Damen" reserviert. Wir sind gespannt. Schließlich trudeln sie nach und nach ein und okkupieren ansatzlos das komplette, sehr kleine Lokal. Wir werden überrollt von einer Welle aus reifer Weiblichkeit und einem unglaublichen bayrischen Redeschwall, von dem nur einige Wörter an Deutsch erinnern und dadurch halbwegs verständlich sind. Jedenfalls wird viel gelacht und wir lachen einfach mal mit - nach drei halben Litern Hausbräu kein Problem. Auf dem Weg zum Klo fällt mir ein skurriler Wandschmuck auf: Ein altes Schwarz-Weiß-Foto mit dem poetischen Titel "Handgemachte Bürsten". Es zeigt genau, was die Überschrift verspricht. Sehr hübsch das. Das Klo ist übrigens oben, wo sich erstaunlicherweise auch (wegen der Überschwemmungsgefahr) der Keller befindet.
In aller Ruhe radle ich am nächsten Tag weiter. Nach einem Zwischenstopp im netten Regensburg immer der Donau entlang bis Straubing, was ein niedliches und hübsches Städtchen mit der angeblich schönsten Fußgängerzone Bayerns ist. Dann geht es bei Hengersberg ein bisschen in die Berge und ich erreiche schließlich den Reiterhof Habereder. Hier tausche ich Fahrrad gegen Pferd ein. Sindy ist ein rassiges Vollblutweib, zwanzig Jahre jung, in das ich mich im Laufe der Woche unsterblich verliebe.
Der Hintern wird jetzt für einige Tage großflächiger wund gescheuert. Die Landschaft rund um das Dorf Riggerding ist ein Traum. Wald, weite Blicke, der Hausberg Brotjacklriegel, kleine Badeseen, an denen ich immer wieder mein Saxofon auspacke, um zu spielen - "Sax on the beach"!
Spannend auch das Ziel eines unserer Tagesritte. "Pullman City", eine Westernstadt mit Saloon, Revolverhelden, einem "undertaker" und fast echten Indianern.
Eine tolle Woche insgesamt und eine empfehlenswerte Adresse (www.reiterhof-habereder.de).
Zurück nach Nürnberg fahre ich zunächst den Isar-Radweg bis Landshut. Dort (am Isarspitz) gibt es einen fantastisch gelegenen Campingplatz, wo ich Sonntagmorgen in das inspirierende Konzert aus Vogelstimmen und Kirchenglocken mit dem Sax einsteige.
In der Stadt gerate ich in ein unglaubliches Spektakel, gegen das der Kölner Karneval ein Kindergeburtstag ist. Bei der "Landshuter Hochzeit 1475" ziehen 2000 historisch gekleidete Statisten durch die Stadt und rufen ununterbrochen "Hallo", was von Zigtausend Zuschauern begeistert geechot wird. Schon am Vorabend wird gefeiert, gefuttert und gebechert, was das Zeug hält, ganz dem geschichtlichen Vorbild entsprechend.
Da der Radweg ab hier reizloser wird und mein Zeitplan ohnehin über den Haufen geworfen ist, nehme ich den Zug nach Regensburg. Von dort aus geht es diesmal am anderen Donauufer entlang und dann das Altmühltal hinauf. An einer der schönsten Stellen mache ich wieder Musik. Die Akustik macht mir eine Gänsehaut. Einige vorbeikommende Radfahrer halten eigens an, um zu lauschen. In Beilngries kann ich mich nicht entscheiden, ob ich die kürzere Strecke durch das Tal der Sulz oder die längere weiter der Altmühl entlang nehmen soll. Ich werfe eine Münze. Das kann ich allen nur empfehlen, vertraut man sich so doch dem Schicksal an und muss sich hinterher nicht darüber ärgern, sich womöglich falsch entschieden zu haben. So endet mein Tag und fast auch schon mein Rad-, Reit-, Wander-, Bade- und Erlebnisurlaub in Pappenheim, wo ich mir echte Pappenheimer begucken kann. Das Wetter wird wieder schlechter, der Kreis schließt sich. Ab nach Hause!