Ein wundervoller Sommertag. Heiß, aber nicht zudringlich scheint die Augustsonne über dem Oderbruch. Vom Schlossgarten her weht sanfter Wind Musik herbei, setzt die Stille ringsum in Anführungszeichen. Bobby McFerrin und Joe Zawinul checken den Sound für das abendliche Konzert, machen sich miteinander bekannt. Vertrautheit entsteht zwischen begnadeten Musikern, die ansonsten nicht miteinander geprobt haben - Vertrauen in die Kraft und Weisheit des ungeplanten Augenblicks. Es ist schön, dabei zusehen zu dürfen, ein unverhofftes Geschenk, wie ein Bonus zur erworbenen Eintrittskarte. Herzlichkeit, Humor, Offenheit. Begegnung. Dreht man sich um, erstreckt sich über Hunderte von Metern ein Park von berückender Schönheit, mit majestätischen Platanen und Jahrhunderte alten Eichen, einem schmalen Teich, einer wunderbar sinnlosen Steinbrücke. Zur Rechten das strahlend weiße, klassizistische Schloss Neuhardenberg. Der Sound ist eigentlich okay, aber Bobby soll noch ein wenig alleine singen, bittet der Mann am Pult. Sein unglaublicher Groove, dezent, aber eindringlich, einfach und genial, lockt die anderen Musiker wieder herbei. Joe unterlegt leise Harmonien, der Bassist schwingt sich ein, zum Schluss der Drummer.
Jetzt kommt mein Moment: Natürlich habe ich mein Saxofon dabei. Ich baue es rasch zusammen und spiele das Thema, das geradewegs vom Himmel fällt. Bobby lächelt mir aufmunternd zu und ich stehe auf, gehe nach vorn zur Band auf die Bühne. Ein Engel hebt mich auf die Bühne und stellt ein Mikrofon bereit. Von hier oben sieht der Park noch wundervoller aus. Die Bäume wiegen sich im Takt, die Wolken tanzen Pina Bausch. Ich muss nicht denken, meine Finger bewegen sich unabhängig von mir, erhalten und senden Informationen aus Klang ganz unmittelbar. Ein heiliger Moment, wie in jenen fernen frühen Stunden, wenn Baby schon wach ist und ich mit ihm auf der Matratze liege und wir sind uns selbst genug. Oder wie Liebe im Schnee, Galopp über endlose Wiesen, nächtliche Stille, wieder gesund sein.
Musik.
Am Ende Freude und eine herzliche Umarmung. Ich packe das Horn wieder ein, freue mich auf den Abend und ein schönes Konzert. Ute kommt vom Spaziergang durch den Park zurück. Auf der Bühne stehen nur noch die Instrumente, Keyboards, Schlagzeug, Bass und Backline. "Na, hast du geträumt?", fragt sie. Ich seufze.
Später gehen wir essen. Der Teller ist schon fast leer, da kommt auch die Band noch, um sich zu stärken. Ich traue mich, gehe zu Bobby und danke ihm. Ich erzähle ihm von meinem Tagtraum. "Itīs good to have dreams", sagt er. Natürlich ist es das, ich weiß. Wir geben uns die Hand. Dann darf er seinen Salat zu Ende essen. In einer Stunde gehtīs los.