Der Giro, die Tour, das Leben
Selbst wird er nie Rad fahren können, aber er weiß alles über die Tour, den Giro, die Sixdays. Sprechen lernt er erst spät, aber lesen kann er, lange bevor er zur Schule geht. Ohne Zettel schafft er es nicht, einkaufen zu gehen, aber er rechnet schneller als die Kasse: Einer wie Tom Lurse wird es im Leben nicht leicht haben...
Thomas Lurse, der Sohn eines mäßig erfolgreichen Radsportamateurs, ist von Beginn an irgendwie anders. Zur Welt, der er offenbar als erstes seinen Hintern zeigen will, lässt er sich nur per Kaiserschnitt bringen: Sein Steiß verklemmt sich im Geburtskanal und sein Dickschädel findet keinen Weg nach draußen. Als Kleinkind stakst er unbeholfen durch die Gegend und macht kaputt, was immer kaputt zu machen ist. Als er endlich furchtbar "lißpelnd" beginnt zu sprechen, hat er bereits die Radsportbücher und -lexika seines Vaters gelesen, auf dessen 40.Geburtstag der Kleine die Gesellschaft mit einem unglaublichen Fachwissen verblüfft, das jedoch zu nichts nütze scheint. Erst als Erwachsener dient es ihm als Grundstein seines beruflichen Erfolges: Sein legendärer Ruf lockt die Kundschaft in Scharen in seinen "Rad und Tat"-Laden. Doch was immer Tom macht - in den Augen seines Vaters macht er es nicht gut genug. Als seine Frau Madita ihn mitsamt der gemeinsamen Tochter verlässt, kommen zum Trennungsschmerz erneute Vorwürfe des Vaters. In einem Akt der Befreiung vernichtet der endlich erwachsen werdende Thomas all seine Radsportbücher und damit auch seine Abhängigkeit von den Erwartungen seines mittlerweile greisen Vaters.
Eine zweite Erzählebene spielt in der Zukunft. Jenny Lurse, erste deutsche Siegerin bei der Tour de France der Damen wird von einem Journalisten um ein Interview gebeten. Es entwickelt sich eine kleine, zarte Liebesgeschichte mit einer Überraschung am Schluss...