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ein Buch auf Reisen
Leseprobe
"Eine Woche grünes Licht"

Da mag nun behaupten wer will, dass es doch völlig unerheblich für den weiteren Verlauf der Dinge sei, wer sich da mit wem an welchen Tisch setzt und warum: nichts da! Es gibt keine Zufälle, alles hat seinen Sinn und seine Bedeutung, wenngleich es dem in der Gegenwart Gefangenen oft schwerfällt, dies aus seiner beschränkten Perspektive zu erkennen. Mögen einen auch bisweilen die Strudel aktueller Geschehnisse mitreißen oder ein andermal die Untiefen ereignisloser Langeweile auflaufen lassen: Im Nachhinein wird oft erst klar, das alles, so wie es war, für irgendetwas gut war. Und was für eine Kraft auch immer das sein mag, die alles auf so wunderbare Weise fügt, dass kein Mensch es besser planen könnte: nirgendwo wird deren Wirken deutlicher als bei solchen scheinbaren Belanglosigkeiten wie einem gemeinsamen Frühstück - gerade so, wie es die Betrachtung einzelner Zellen durch das Mikroskop ermöglicht, die Struktur komplizierter Organismen zu erkennen. Also: kein ungeduldiges Gequengel bitte, es geht ja schon weiter mit der Geschichte! Der menschliche Hefeteig im Strandhotel war jedenfalls neu durchgemischt.

...

"Es hat ein anständiges Begräbnis verdient", fand Malu, nachdem sie wieder zu Atem gekommen war. Sie fühlte sich erstaunlich gut. "Außerdem können wir es unmöglich in dem Zustand zurückgeben."
Sie betteten die Leiche, oder vielmehr das, was vom Fahrrad an sterblichen Überresten übrig geblieben war, in den Graben am Straßenrand und schleppten Steine, lose Erde und Heu herbei. "Kannst du das Gebet sprechen?", bat Kacki, "ich kenne mich da nicht so gut aus."
Sie mutmaßten, dass es sich um ein katholisches, da irisches Rad gehandelt haben musste.
"Herr im Himmel, nimm diese liebe Seele zu dir." Viel mehr fiel Malu auch nicht ein. Sie war evangelisch. "Und vergib ihm seine Sünden, auch, dass es uns so elend im Stich gelassen hat." Und dann zu Kacki: "Sollen wir noch was singen?"
"Klar, gehört wohl dazu", fand der und begann auch gleich: "Was wollen wir trinken, sieben Tage lang, was wollen wir trinken, so ein Durst!"
Das war das Stichwort. Auch Malu zog es jetzt dringend zurück in die Zivilisation in Form eines gepflegten Pubs.