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Reisetipps

Urlaub am Moldaustausee

"Schöner Urlaub in der Natur, direkt am Ufer des Moldaustausees, sandige Strände, die Möglichkeit sich sportgerecht auszuleben, das Leihhaus der bergigen Fahrräder am Ort, der Kähne, des Elektromotors, des Federballs, des Softennisses, ausgezeichneter Platz für die Rollschuhe, herausragendes Pilzsammlergebiet. Ideale Bedingungen sind hier besonders für den Segelsport und fürīs Surfing, denn Moldaustausee ist hier in der engsten Stelle 1,5 km breit und längstliegend hat in dem gegebenen Region 13 km (Sichtweite), sonst 42 km Wasserflächen, deswegen gibtīs hier genug Raum fürīs richtige Verblasen schon so wie so ständiges Westwindes."

Hört sich doch recht vielversprechend an, oder nicht? Obiges fand ich auf einer tschechischen Internetseite mit Hilfe des Suchworts "Moldaustausee". Wie aber kommt man überhaupt auf den?
Was mich betrifft, bin ich auf der Suche nach einem Urlaubsziel einfach so vorgegangen: Ich habe mir den guten alten Diercke geschnappt, einen Kreis von etwa 1000 Kilometern um meine Heimatstadt Dortmund gezogen und dann nach der Kombination Wasser und Berge gesucht. Ein kleiner blauer Fleck im Böhmerwald machte mich neugierig und wenige Wochen später war ich mit meiner Familie tatsächlich dort, in einem entlegenen, zu Tschechien gehörigen Winkel Südböhmens.

Wem es an Abwechslung genügt, sich vom Bauch auf den Rücken und wieder zurück zu drehen, wer den Anblick tausender gleich aussehender, ordentlich ausgerichteter Mietliegen zu schätzen weiß, wer den Trubel in lärmenden Diskos als Geselligkeit empfindet, wem es Spaß macht, immerzu aufpassen zu müssen, nicht betrogen, bestohlen oder ausgenommen zu werden - der kann die Lektüre an dieser Stelle getrost abbrechen und weiter ans Mittelmeer fahren. Tschechien ist anders. Eine Sprache, die nahezu ohne Vokale auszukommen scheint, Menschen von duldsamer Freundlichkeit, allerorten lebendige Geschichte in Form von Burgen, Schlössern und barocken Städtchen, aber auch ausgestorbener ehemals deutscher Siedlungen, übriggebliebener Wachtürme und rostender Grenzwarnschilder.
Dazu eine weitläufige, einsame Natur, die mit Schönheit und Waldbeeren nur so um sich wirft und eine Stille, die mit jedem Windhauch in den Wipfeln nur noch tiefer wird.

Erleben lässt sich die zauberhafte Landschaft auf vielfache Art und Weise:Bei ausgedehnten Wanderungen, mit dem Fahrrad, auf Pferdes Rücken oder mit dem Boot. Wir haben alles ausprobiert und unendlich genossen. Den Duft der Wälder beim Laufen, die Einsamkeit der für Autos gesperrten Straßen beim Radfahren, die betörende Friedlichkeit sanfter Hügel bei Ausritten in der Nähe der österreischen Grenze bei Studánky, wo es einen urigen Reiterhof gibt (www.nowa.cz).
Vom herrlich altmodischen Ruderkahn aus konnten die Kinder angeln oder zum Schwimmen in den See springen, ich selbst habe vor allem die Ausfahrten in der Abenddämmerung genossen, wenn der Vollmond über spiegelglattem Wasser aufging oder sich ein gewaltiger Regenbogen von Ufer zu Ufer spannte.
Der Fluss Moldau lässt sich allerdings besser per Kanu befahren - am meisten Spaß hat es im Nachhinein gemacht, an der ersten Stromschnelle bereits im Wasser zu liegen, auch wenn dies den Verlust eines T-Shirts und einer Tube Sonnencreme bedeutete.
Nicht zuletzt ist es auch ein besonderes Vergnügen, sich einen Katamaransegler für einen Tag auszuleihen und in der windigen Bucht von Jestrabi über die Wellen zu jagen.
Wenn das Wetter mal nicht mitspielt, kann man sich im Auto aufmachen nach Rosenberg, Krummau, Budweis oder Frauenberg, Orten, die heute allesamt unausprechliche tschechische Namen tragen. Besonders angetan waren wir von den schönen Gaststätten am Moldauufer in Krummau und vom gigantischen Schloss Hluboka nördlich von Budweis. Charme versprüht auch Frymburk und seine kleine Kirche, hier ganz in der Nähe war unser Basislager, eine Feriensiedlung mit dem schwungvollen Namen JAF Lipno, was sich ausgesprochen wie Ja Flipno anhört. In dieser Gegend gibt es Gott sei Dank weder die berüchtigten asiatischen Ramschläden noch die schrecklichen Billigpuffs für zu kurz gekommene Westler, die in den grenznäheren Orten die Idylle so nachhaltig stören und um die jeder halbwegs klar denkende Mensch einen großen Bogen macht.
Apropos aber noch Budweis: Das Herz welchen Biertrinkers ginge nicht auf angesichts eines frisch gezapften Halbliterglases Budweiser zum Preise von umgerechnet einer Mark?
Wie überhaupt die Gastronomie- und Lebensmittelpreise es leicht machen, sich selbst zu verwöhnen. Mit "gebackener Karfiol" zum Beispiel, "Gelegtewurst", "3 Sorten Senften" oder auch "Kielchen von Ziergegenständen" für 5 Kronen - was immer das auch sei (es stand auf einer Speisekarte)! Auf die nette Frage der Kellnerin "Schmecken Sie gut?" habe ich jedenfalls mit einem aufrichtigen "Ja" antworten können.