Wohinj? Bohinj!
Wohinj? Bohinj? Nie gehörtj! Na, dann aber mal schnell den Diercke rausgekramt: S.76, Alpenländer, K3.
Nanu - da, wo ich weiß, dass da was ist, ist nix. Eingezeichnet. Nämlich der Bohinj-See. Seltsam. Das Land heißt jedenfalls Slowenien und zwar vermutlich deshalb, weil hier die amtliche mediterrane slow-motion-zone beginnt. (Ich merke gerade, dass das gar nicht logisch ist, weil die Slowakei - ähnlich heißend, gern verwechselt - ja schließlich nördlich der Alpen liegt, und das allgemeine Tempo in Quickborn auch eher gemächlich ist.)
Schön ist es aber, dass auf unserem Kontinent noch Flecken zu finden sind, wo man nahezu sicher sein kann, keine Nachbarn oder entfernten Bekannten aus Deutschland zu treffen. Die landschaftlich richtig schön sind und dazu proppevoll mit herzensguten Einheimischen, die manchmal gar nicht mehr wissen wohinj mit all ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Da gibt es z.B. das liebliche untere Savinja-Tal und das karstalpin schroffe obere. Da kann man reiten, mit dem Kajak wildwassern, umkippen und fast ersaufen (weil einem keiner erklärt hat, wie man unter Vermeidung von Panik die Spritzdecke abkriegt!), auf 2000 Meter hohe Berge klettern, wo auch bei 35 Grad noch Schnee liegt, in kleinen Badeseen planschen, eisekalte Schneehöhlen besichtigen oder einfach nur auf der Wiese liegen und dösen. Die Ortsbezeichnungen klingen wie Namen aus Todesanzeigen der Ruhr-Nachrichten: Dolina Logarski, um nur ein Beispiel zu nennen. Hütet euch aber vor Velenje, liebe Freunde! Das kommt zwar mit harmlos hölländischem Klange daher und wird als touristischer Ort dargeboten, ist aber in Wirklichkeit eine Mischung aus Industriegebiet und Dortmund-Scharnhorst. Aber außer da ist die Gegend immer wie Balsam für geplagte Seelen, lieblich, anmutig, idyllisch, voller Blumen und Schmetterlinge.
Wer´s spektakulärer mag, der reist allerdings in jene Bohinj. So heißt nicht nur der vermessungstechnisch totgeschwiegene See, sondern auch das bergige Drumherum. Vergesst das angeblich so schöne Bled. Es ist nur ein überdimensioniertes Freibad mit angeschlossenem Einkaufszentrum. So schnell wie möglich durchfahren!!! Stara Fuzina heiße unser Ziel! Von hier aus ist man schnell am Strand und von hier aus geht es auch in die Berge. Und was für Berge!
Aus der Ferne grüßt der Triglav, höchster Berg Sloweniens und so eine Art Bonsai-Everest. Sechs Stunden dauert der Aufstieg zum Basislager, zwischen den Steinen sprießen in höheren Lagen vereinzelt Edelweiße, und übernachtet wird im Dom Planika, wo es Wasser auch zum Waschen nur aus Flaschen und in Form von Hagel gibt. Und morgens wird geklettert, am Ende gar über 40 cm breite Grate, links und rechts der Abgrund. ("Was mache ich hier eigentlich? Hätte ich das gewusst, ich wäre doch niemals…") Glücklich auf dem Gipfel angekommen, empfängt einen mit etwas Glück Akkordeonmusik und man wird Teil einer skurrilen, sehr internationalen Party, 2864 m über dem Meeresspiegel. Der Ausblick ist toll, wenn man nicht gerade wie wir im Nebel steht. Ein Wetter, das aber für die ersten 300 Höhenmeter Abstieg ein echtes Geschenk war, da die Abgründe diesmal wenigstens nicht so deutlich zu sehen waren. Außerdem: Schönwetterwandern kann jeder, Nebel, Nässe, Kälte sorgen für echten Thrill! Abwärts geht es beispielsweise zur Dolicu-Hütte, mit Ausblicken unterhalb der Wolkendecke, die einem den Atem rauben. Nach weiteren Wanderungen und einer weiteren Nacht auf 2000 Metern Höhe, erfrischt durch ein 10-Sekunden-Bad in einem Bergsee in dem Eisschollen schwimmen, geht es hinab zurück ins Grün durch das Tal der sieben Seen, deren glatte Oberflächen im Frühmorgenlicht die Berge widerspiegeln.
Zum Relaxen bietet sich der Bohinj-See an, auf den nur gelegentlich ein Paraglider fällt. Mensch, ist das schön hier… Ich komm wieder!
