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Die singende Herrentorte von Vodice

Ich bete, irgendetwas möge passieren, irgendetwas Schönes, egal was.
Da höre ich, während ich durch die Stadt Vodice fahre,
auf einmal wundersame Klänge aus der Ferne, die mich magisch anziehen.

Sie kommen aus einer Bar in der Ortsmitte. Hier sitzt ein halbes Dutzend kroatischer Männer und singt voller Inbrunst patriotische Weisen, mehrstimmig, a capella, und unverkennbar vom einen oder anderen Nachmittagsbier beflügelt. „Dalmacija, Dalmacija!“ Es klingt großartig! Ich rufe meinen Weltmusikfreund Fikret an und lasse ihn übers Handy an der Darbietung teilhaben. Die Jungs holen mich zu sich an den Tisch und schmettern auch noch ein Liebeslied, das ich ebenfalls nach Hause funke. Im Gegenzug hole ich meinen i-Pod und sie hören sich die Musik meiner Dortmunder Band an. Dann geht es weiter im Gesangsprogramm, das Repertoire ist unerschöpflich. In den Pausen zwischen den Liedern reden wir in einem vom Alkohol inspiriertem Englisch miteinander. Was, mit dem Fahrrad aus Deutschland gekommen? Bis in ihr schönes „Dalmacija?“ Ich bin ein Held! Große Verbrüderung, ich bin einer der ihren und mächtig stolz darauf. Touristen kommen an der Bar vorbei und staunen. Als das nächste Bier kommt, zerreißt der Chefsänger (erste Stimme) mit großer Geste meinen Bon – you are our guest! Wir sind eine große Familie. Ich frage, wo ich wohl übernachten kann und soll mir keine Sorgen machen, gastfreundlich wie sie sind, bieten sie mir ihren Strand zum Schlafen an. „No problem! Don´t care, we show you!“ Immer mehr steigern sich die Jungs in ihren Gesang hinein, die Gesten werden noch größer und pathetischer. Ich erfahre, dass sie zur Gruppe „Klapa Godimenti“ gehören, einer Art Männergesangsverein auf Kroatisch, angeblich recht erfolgreich, sogar schon mit TV-Auftritten. Nach anderthalb wunderbaren Stunden ist Aufbruch angesagt. Ich frage vorsichtig den Wirt, ob mein Bier schon bezahlt ist – natürlich nicht, macht nichts. Dann zeigt man mir noch den Strand, der so schwer auch nicht zu finden gewesen wäre, und schwups sind alle weg, die internationale Verbrüderung hat ein jähes Ende gefunden. Aber statt zu lamentieren, lasse ich lieber die Musik in mir nachklingen. Großartig war das, wie prompt doch mein Gebet erhört wurde!